Neuzeller Bier

Eine Geschichte des Bieres von Neuzelle

Den Mönchen sei's gedankt!

Mehr als 600 Jahre ist es her, als hier in der Klosterbrauerei Neuzelle das erste Bier von eifrigen, weltlichen Genuß schätzenden Mönchen eingebraut wurde. In die 1330 fertig gestellte Klosteranlage zogen zwölf Zisterzienser-Mönche aus Altzella bei Meißen ein.
In diesen Mauern reiften langsam die Ideen heran, die knapp hundert Jahre später die Mönche dazu beflügelten, Bier - erst nur für ihren Eigenbedarf- zu produzieren. Geheime Rezepturen, von Braumeister zu Braumeister weitergegeben, sind noch heute die Basis für raffinierte, geschmackvolle Spezialitäten, die einem so richtig das Wasser im Munde zusammenlaufen lassen.


Eine erfrischende Geschichte

Im Jahre 1416 werden die Neuzeller Bauern dazu verpflichtet, jährlich 7 Maß Hopfen an das 1268 gegründete Kloster abzuliefern. Bis 1588 nutzten die Mönche diesen Grundstoff ausschließlich für ihren eigenen Bedarf, was auf eher genußreiche Gottesdiener schließen läßt.

Dann beschlossen sie, daß auch den gläubigen Schäfchen ihrer Gemeinde dieses göttliche Naß nicht länger vorenthalten werden sollte: So wurde die Klosterbrauerei 1589 ein öffentlicher Gewerbebetrieb. Bis zum heutigen Tage wird die seitdem überlieferte Braukultur gepflegt. Sie ist es, die die Neuzeller Biere zu einzigartigen Spezialitäten in der deutschen Bierlandschaft werden läßt.

...himmlisch gut seit 1589

1589 wird also die Klosterbrauerei Neuzelle gegründet. Und bis heute wird in diesem historischen Braubetrieb neben dem ehemaligen Zisterzienserkloster klösterlich- rein Bier gebraut.

Im Zuge der Säkularisierung wird das Kloster 1817 aufgelöst. Die Brauerei - trotz gläubigen Ursprungs längst weltlich geworden - wird durch Verpachtung weiter aufrechterhalten.

Nachdem die Brauerei 1892 vollständig vom Feuer vernichtet wurde, wird sie 1902 an ihrem alten Standort neu errichtet. Durch die fleißigen, deutschen Biertrinker ermutigt, werden 1933 ein Maschinenhaus und ein Turm angebaut. 1948 wird die Brauerei durch die Sowjets enteignet und damit sogenanntes Volkseigentum. 1968 wird "Kloster" aus dem Namen gestrichen, da irgendwie zu christlich. Übrig bleibt für die nächsten 20 Jahre: "Brauerei Neuzelle".

Seit 1989, nachdem überall die Mauern einstürzten, konnte die Brauerei unter den Trümmern das ausgelagerte, aber nie vergessene Wort "Kloster" wiederfinden und in seinen Namen von neuem einfügen. Privatisiert und mit frischer Kraft geht so 1990 die "Neuzeller Klosterbrauerei" neu an den Start.

Doppelter Natur-Genuß

Im idyllischen Neuzelle, einem kleinen Dorf mit direktem Zuganschluß an große Städte wie Berlin und Frankfurt/Oder, findet Ihr am Neuzeller Klostersee - nur 20 Minuten zu Fuß vom Bahnhof entfernt - unsere Klosterbrauerei. Hier wird nicht nur der Brauerei-Feierabend mit der Glocke eingeleitet, sondern der ganze Tag vom Bimmeln der barocken Kirchenglocke begleitet. Hier spürt man noch etwas von der guten alten Zeit, als man noch mit dem Pferdewagen ins Jrüne fuhr!

Bier braucht Heimat

Genuß pur, nicht nur in bierlicher Hinsicht, kann Euch also ein Ausflug nach Neuzelle bieten. Auch Naturgenuß in höchster Vollendung liegt ganz in der Nähe. Im traumhaften Schlaubetal, einem urwüchsigem Landschaftsschutzgebiet, wie es gerade das Großstadtauge nicht in näherer Umgebung vermutet. Bis zu 30 Meter steile Schluchten, Fledermäuse und Sumpfschildkröten werdet Ihr hier finden! Beim Anblick von allerlei Getier und seltener Fauna könnt Ihr Geist und Seele baumeln lassen. Entweder bei einem Spaziergang oder einer Radfahrt durch die Wildnis am Rande der Schlaube, per Paddelboot vom Wasser aus oder beim Baden in einem der zahlreichen Seen !

Nähere Informationen erhaltet Ihr bei folgenden Stellen: Tourismus-Information Neuzelle: Stiftsplatz 7 - 15898 Neuzelle - 03 36 52/61 02
Schlaubetalinformation: Kietz 5 - 15299 Müllrose - 03 36 06/6 67
Deutsche Bahn: Reiseplanung im Internet

Unser Gold hat vier Namen: Wasser, Malz, Hopfen und Hefe
Eine Führung durch unser historisches Braugebäude mit Getreidekammer und Mühle versetzt Euch zurück in alte Zeiten. Unsere moderne Abfüllanlage wiederum läßt GROSSEN Genuß erahnen. Die Verbindung aus Tradition und moderner Technik bedeutet Qualität, die hier nicht bloß spür-, sondern vor allem erlebbar wird.
Nicht aufs Abstellgleis geschoben...

Damit der Geschmack erlebbar und zum einzigartigen Ereignis wird, setzen wir einiges in Bewegung. Hier könnt Ihr sehen und schmecken, was wir unter handwerklicher Braukunst verstehen. So mahlt einerseits - wie vor 100 Jahren schon - unsere gußeiserne Malzmühle auch heute noch das Malz. Während nur ein paar Schritte entfernt, in rasantem Tempo, das fertige Bier in seine "Zwischenstation" - die Bierflasche - abgefüllt wird. Bevor es dann zur Endstation in Euren Magen fließt!

Was lange gärt, wird endlich gut

Das ist das Motto, das unser Bier während seines gesamten Produktionsprozesses begleitet. Das richtige Fingerspitzengefühl beim Ernten und Verarbeiten und eine feine Zunge für köstliche Rezepturen schaffen Qualität und Geschmack. Wie ehedem wird auch noch heute handwerkliche Braukunst bei uns groß geschrieben. Die Rezeptur für unser Schwarzbier stammt aus der Zeit als noch Minnesänger die Stadt mit ihren Klängen erfüllten. Der einzige Unterschied zu damals liegt darin, daß das paradiesisch liebliche Schwarz mit seinem rauchig-malzigem Geschmack heute eben Rock-, Pop- und Techno-Fans glücklich macht.

Was uns besonders heilig ist

Noch ein paar Worte zu Bruder Bibulibus. Als Urahn einstiger Hopfenmelker-Mönche und diesseitiger Vertreter unseres "göttlichen" Bieres, versieht er weiterhin treu seinen Glaubens-Dienst im Sinne der Menschheit. Seine frohe Kunde "Das zweite Bier schmeckt noch besser als das erste. Und das dritte erst..." Na ja, diese Botschaft, die werdet auch Ihr schon mal gehört und am eigenen Leibe erlebt haben!!! Dieser lebenslustige Mönch also verleiht unserem naturtrüben Bier seinen Namen. Doch nicht nur das. Darüberhinaus trinkt er es auch mit ganz tiefer überzeugung, immer auf der Suche nach der letzten, einzigen Wahrheit. Die liegt bei dieser naturtrüben Spezialität in ihrer speziellen Zubereitungsform:

Zuerst wird das geschrotete Malz mit frischem Wasser zur Maische aufgekocht. Dann erfolgt die ganz weltliche Läuterung zur flüssigen Würze. Anschließend werden die festen Bestandteile, Treber genannt, abgezweigt. Aus diesen nährstoffreichen Nebenprodukten wird übrigens Viehfutter und sogar Brot gewonnen! Weiter im Text:

Die so erhaltene Flüssigkeit wird anschließend mit Hopfen zusammen aufgekocht und in einen sogenannten Gärbottich weitergeleitet. In diesem wird mit vorbereiteter Hefe das Bier gegoren. Nach 7-10 Tagen Gärung, immer erst dann, wenn der Braumeister mit dem Ergebnis wirklich zufrieden ist, kommt das Bier in Lagertanks. Hier ruht es nun je nach Sorte 2-4 Wochen. Anders als die anderen Biersorten, wird unser Bibulibus nicht filtriert. Was dabei herauskommt, ist etwas Besonderes, das nur echt ist, wenn trüb: Ein Bier, das vom Pils den feinherben Charakter und vom Weizenbier die belebende Hefe in sich hat.


Gaumen- und andere Freuden

In der neben unserem Brauereigelände gelegenen Wirtschaft könnt Ihr anschließend bei frischem Neuzeller-Klosterbier Euren Geist beflügeln lassen. Wenn Euer Magen nach mehr als dem gutem Naß verlangt, dann könnt Ihr ihn mit Mönchsrolle (Wild in Schwarzbier- Soße) und anderen Neuzeller Spezialitäten beruhigen. Für die, die nicht mitkommen konnten, gibt es übrigens in unserem Kloster-Shop Trostpflaster in Form von allerlei Andenken rund um unser Bier. Und unser Bier natürlich auch! Wenn Ihr Lust bekommen habt, Euch unseren Betrieb hier mal anzuschauen, dann schickt eine e-mail oder klingelt durch (Tel.: 03 36 52/ 8 10 0) und macht einen Termin aus. Am besten, Ihr kommt gleich zu mehreren, dann macht das Probieren noch mehr Spaß!!!

P.S. Die Besichtigung kostet ein wenig. Aber ich kann Euch sagen, sie sind gut angelegt in einem Tag, der einem soviel Sehenswertes und Geschmacksintensives bietet!!!

Bier - Eine kleine Zeitreise